Seit einigen Jahren wird es als wahres Wundermittel angepriesen: Himalayasalz, auch Ursalz, Natursalz oder Kristallsalz genannt, habe eine ausgleichende Wirkung und helfe sogar gegen unterschiedlichste Krankheiten. Ob dieses  und ähnliche Argumente das Vielfache des Preises von herkömmlichem Kochsalz rechtfertigen, sei dahingestellt.  

In jedem Fall lohnt sich ein Blick auf die Untersuchungen des Bayrischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL):

Himalayasalz besteht ebenso wie Kochsalz zu etwa 98 % aus Natriumchlorid. Die verbleibenden 2 % weisen ein etwas breiteres Spektrum an Spuren anderer Mineralsstoffe auf, bleiben aber weit hinter den Versprechungen der Werbung zurück. Der Verband der Ernährungswissenschaftler Österreichs (VEO) findet dazu klare Worte: „Behauptungen zu heilenden Wirkungen von Himalayasalz sind fachlich unhaltbar und darüber hinaus unverantwortlich!“

Hier die wesentlichen Erkenntnisse des VEÖ:

  • Natrium und Chlorid sind lebensnotwendige Mineralstoffe, die zur Aufrechterhaltung bestimmter Körperfunktionen unerlässlich sind. Sie sind Hauptbestandteile beider Salze.
  • Die Panikmache mit der so genannten Jodallergie, die Kochsalz hervorrufen könne, entbehrt jeglicher Grundlage. Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement, das unter anderem für die Schilddrüsenfunktion unerlässlich ist. Aus diesem Grund wird Kochsalz seit 1963 jodiert, wodurch das Risiko für Kropfbildung wesentlich verringert werden konnte.
  • Statt der in der Werbung versprochenen 84 Elemente fanden sich in den vom Bayrischen Landesamt untersuchten Proben lediglich 8 weitere Stoffe. Die sind allerdings auch im handelsüblichen Speisesalz enthalten.
  • Erhöhte Wasserbindung durch Natrium führt nur bei eingeschränkter Nierenfunktion zu Ödemen. Die Einnahme von Himalayasalz hat darauf keinerlei Einfluss.
  • Himalayasalz wirkt keinesfalls blutdrucksenkend. Jede andere Aussage ist fachlich unhaltbar.
  • Die dem Himalayasalz gerne zugeschriebene höhere bioenergetische Wirksamkeit gegenüber handelsüblichem Kochsalz konnte bis heute wissenschaftlich fundiert nicht bestätigt werden.

Ist Himalayasalz also doch nicht mehr als ganz gewöhnliches Salz? In der Wirkung auf unseren Organismus offenbar nicht. Erdgeschichtlich entstand es zur selben Zeit wie unser alpines Salz, vor ca. 250 Mio. Jahren. Doch wie sinnvoll ist es, ein Produkt, das in Europa im Überfluss und in den unterschiedlichsten Qualitäten zur Verfügung steht, um die halbe Erdkugel zu transportieren? Wie auch immer. Der Preis macht den Unterschied. Wer dennoch Himalayasalz bevorzugt, wird wohl gerne tiefer in die Tasche greifen.

(Quellen: Pressemitteilung Nr. 038/2003 der Pressestelle des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit vom 11.8.2003; 72. Presseinformation des Verbandes der Ernährungswissenschafter Österreichs vom November 2003)